Kolumne im "Oscar am Freitag" zur aktuellen Situation
Marcel

Eine Chance für neue Wege.

Unmittelbar vor dem Ausbruch der Corona-Krise habe ich mir oft die Frage gestellt, wie die enorme politische Polarisierung in unserer Gesellschaft überwunden werden kann. Um ganz ehrlich zu sein, eine passende Antwort fand ich aufgrund der vielen aufgeheizten Gemüter nicht.

In den letzten zwei Wochen hat sich viel verändert und das gefühlt von einem Tag auf den anderen. Fest steht schon jetzt, es wird sich auch in Zukunft noch mehr verändern, da noch keiner absehen kann wie lange wir uns in dieser Ausnahmesituation befinden und welche Konsequenzen sich daraus abschließend ergeben werden. Ich glaube, wir werden uns verändern.

Das öffentliche Leben so wie wir es kannten, ist nahezu vollständig zum Erliegen gekommen. Durch das konsequente Meiden von sozialen Kontakten helfen wir anderen momentan am besten. Für viele eine noch nie dagewesene und geradezu paradoxe Situation. Anderen helfen durch das vehemente Vermeiden von Begegnungen, diese Logik kannten wir so bislang noch nicht.

Es gibt aber auch Menschen die nicht „einfach“ zuhause bleiben können. Menschen, die in diesen Zeiten übermenschliches für unsere Gesellschaft leisten. Ihnen allen können wir wahrscheinlich gar nicht genug für Ihren Einsatz danken. Sie alle sind echte Vorbilder und zeigen uns, worauf es wirklich ankommt. Überhaupt klärt die Krise den Blick für das Wesentliche. Die politische Farbenlehre spielt schlichtweg keine Rolle, wenn es darum geht, Leben zu retten und eine ganze Gesellschaft am Laufen zu halten. Ich hoffe, wir bewahren uns diesen ehrlichen, klaren Blick auch für die Zeit nach dem Virus.

Jede Krise beinhaltet die Chance über neue Wege nachzudenken. Ich finde, es ist an der Zeit, diese Chance zu nutzen und das, was wirklich wichtig ist, wieder stärker in den Vordergrund zu rücken

Hans-Georg Creutzburg

Foto: Marcel Schwetschenau